Onekotan – The Lost Island

Expedition zu einer verlassenen Insel
Client

Red Bull Media House

Konzept & Idee

Mischfabrik & M-Line

Regie

Simon Thussbas (Mischfabrik)

Produzent

Matthias Mayr (M-Line)

Jahr der Produktion

2016

Awards

Im April 2015 waren wir in Zusammenarbeit mit dem Red Bull Media House auf Expedition in Kamtschatka – besser gesagt 400 Kilometer vor Kamtschatka. Versteckt im pazifischen Ring of Fire zwischen Russland und Japan liegt dort Onekotan- The Lost Island.

Drei Freeride-Profis. Zwei Vulkane. Eine Insel. Ein Ziel: Die Erstbefahrung des Vulkans Krenizyn. Ein Vulkan in einem Vulkan.

Die 52-minütige Abenteuer-Dokumentation war im Zeitfenster von 25. September bis 25. Oktober 2015 exklusiv auf Red Bull TV zu sehen. Anschließend erfolgte die Distribution über Amazon Videos/iTunes, eine Kinotour im deutschsprachigen Raum sowie die Aufnahme in das Programm verschiedener Filmfestivals.

Die größten Erfolge

//Ausstrahlung international meist zur Prime Time auf Servus TV (Österreich), TVA Group (Kanada), Fox Sports (Australien), Globosat (Brasilien), Abu Dhabi Media (UAE), JSC First (Russland), View Communication (Belgien), SAS AB (Frankreich), YLE Broadcast (Finnland)
// Teil des Programmes der European Outdoor Film Tour 2015/2016
// Auszeichnung zum ,,Härtesten Kameramann” beim Freeride Filmfestival

Es war unser bisher größtes Abenteuer als Filmproduktion. Eine Reise ins Ungewisse. Ins tiefste Russland. Auf eine Insel mitten im Pazifischen Feuerring. Onekotan liegt 400 Kilometer vor der Küste Kamtschatkas. Irgendwo im Nirgendwo. Aber wir wollten da unbedingt hin. Für unser großes Abenteuer. Um Ski zu fahren wo noch niemand zuvor Skigefahren ist. Auf einem Vulkan in einem Vulkan.

Behind the scenes: Auf einer Insel…in einer Insel.

18 Tage verbrachte unser Team bei teilweise gefühlten -40° Celsius und unaufhörlichen Schneestürmen auf einer verlassenen Insel im Pazifischen Feuerring zwischen Kamtschatka und Hokkaido. Wie das Projekt „Onekotan“ hinter der Kamera ablief, was man wissen und können muss um den widrigen Bedingungen zu trotzen und warum man überhaupt auf die Idee für eine solche Unternehmung kommt, das erzählt euch Regisseur und Kameramann Simon Thußbas am besten selbst…

Warum eigentlich?

Servus miteinander – vorneweg gleich mal zu der wahrscheinlich interessantesten Frage: „Warum zur Hölle macht man sowas eigentlich?“ Für mich persönlich kann ich sagen, dass es die Kombination aus Action und Location war, die den Reiz des Projekts ausmachte. Hier kurz die Hardfacts des Projekts: Skifahren an einem der entlegensten Orte der Welt. Abertausende Kilometer entfernt von daheim. Hunderte Kilometer außerhalb jeglicher Zivilisation. Auf einem Vulkan in einem Vulkan. An einem Ort wo noch nie zuvor ein Mensch mit Brettern unter den Füßen unterwegs war. Jeder der auch nur einen klitzekleinen Mini-Abenteurer in seinem Kopf rumspringen hat weiß, dass es da nicht viel zu überlegen gab.

Aber das war zugegebenermaßen nicht der einzige Grund für die Entscheidung das Projekt anzutreten. Schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt in der Projektentwicklung war klar, dass das Red Bull Media House mit an Bord sein würde. Für die Mischfabrik als junges, aufstrebendes Filmteam gab es natürlich schlechtere Dinge als die Gewissheit, dass eine unserer eigenen Produktionen/Konzepte sämtliche Ebenen im Haus der weltweiten Nummer Eins in Sachen Extremsport-Coverage duchlaufen würde. Ein bisschen Aufmerksamkeit bei unseren direkten Nachbarn in Salzburg würde sicherlich nicht schaden…

Was hinter der Kamera passiert:

Abenteuer bedeutet für mich immer den Weg ins Unbekannte zu wagen. Man weiß nie was als nächstes passieren wird und muss auf alle Gegebenheiten vorbereitet sein. Als Kameramann schleppt man zusätzlich noch mindestens das dreifache Gewicht an Equipment mit sich herum. Wegen den weiten Strecken, die wir auf der Insel zurücklegen mussten war es zeitlich nicht immer möglich extra für die Filmaufnahmen stehenzubleiben und mit Regieanweisungen zu arbeiten – da hätten mich die anderen wahrscheinlich gelyncht. Ich musste für meine Aufnahmen also oft Vorsprünge herauslaufen oder Rückstände wieder aufholen.

Auch die Anstiege und Abwärtspassagen waren mit dem Expeditions-Equipment sehr anspruchsvoll, wahrscheinlich das Kraftraubendste während unserer gesamten Zeit auf der Insel. Wir waren ein gutes Team, aber ab und zu hab ich mir dann doch den ein oder anderen bösen Blick eingefangen, wenn ich mich in einer anstrengenden Passage hinter die Kamera verzogen habe und der Rest der Crew die Schlepperei erledigen musste. Aber hey – ich bin ja schließlich auf die Insel gefahren, um einen Film zu machen.

In Sachen Equipment haben wir wahrscheinlich ein bisschen übertrieben: Wir hatten fünf Filmkameras, zwei Fotokameras, zwei Drohnen, zehn Objektive sowie diverse Steady-Cams & Stative dabei. Also eigentlich genug um zwei Filme zu produzieren. Für die Stromversorgung des gesamten Equipments war zusätzlich eine vollgeladene Autobatterie dabei. Außerdem brachten wir noch einen kleinen Diesel-Generator mit auf die Insel, der aber nicht allzu gut funktionierte. Wir hatten vorsorglich einfach eine Menge Batterien im Gepäck – das hat uns extrem geholfen, weil wir nicht davon abhängig waren ständig Akkus aufzuladen und uns die Probleme mit dem Generator so nicht allzu viel ausgemacht habe. Am Ende haben wir dann doch jedes Teil, das wir dabei hatten einmal benutzt und zum Beispiel auch eine Drohne und ein Stativ zerstört. Die Insel hat einiges an technischem Equipment „eingefordert“. Da war das Back Up also nicht verkehrt. „Auf alle Gegebenheiten vorbereitet sein!“

Die Insel – Do’s and Dont’s:

Das einzige wirkliche „Don’t“ auf der Insel war eigentlich der Kälte geschuldet. Bei den vorherrschenden Bedingungen durften wir nie, wirklich nie nackte Haut an die Luft bringen. Wenn man nur einen einzigen Quadratzentimeter Haut nicht mit den entsprechenden, wetterfesten Klamotten bedeckt, friert er bei diesem Bedingungen sofort ein. Bei 100km/h Wind fühlen sich die -10° bis -15° Celsius schnell wie -40° oder -50° Celsius an.

Ein klares „Do“ dagegen war es, dass ich mir im zweiten Camp einfach ein Iglu gegraben habe anstatt im Expeditionszelt zu pennen. Einerseits wäre ein Zwei-Mann-Expeditionszelt für mich und mein Equipment zu eng geworden und im Iglo hatte ich mein eigenes kleines Reich, in dem ich mir auch mal eine Minuten für mich und ein bisschen Ruhe gönnen konnte. Der wirkliche Vorteil war aber, dass ich im Iglu nicht der im Zelt gegebenen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt war und so das ganze Kameraequipment beim reinigen und vorbereiten nicht beschlagen hat.

Ein weiteres klares „Do“ habe ich leider erst während des Trips kennengelernt. Zwar ist es total logisch, aber irgendwie habe ich vorher nicht dran gedacht und erst den Tipp von Phil Meier, unserem „alten Hasen“ und Expeditionsexperten gebraucht: Egal wie lange ihr auf einer solchen Expedition unterwegs seid – nehmt für jeden Tag ein frisches paar Socken mit! Kalte, feuchte Füße sind definitv keine Option die Spaß macht…

Der letzte Akt – Drama vom Feinsten:

Irgendwie war und bin ich noch bis heute zwiegespalten über das Ende unseres Abenteuers. Bekanntlich mussten wir ja mit einigem Aufwand von einem Helikopter mit Spezialtanks ausgeflogen werden, weil die Herren auf ihrem Schiff gemeint haben der Wellengang wäre ihnen zu hoch um anzulanden. Als uns das Schiff nicht wieder aufnehmen wollte habe ich mir gedacht: „Wie können die das machen? Wir haben schon dafür bezahlt, dass sie uns zurückbringen!“ Dann habe ich mir darüber Gedanken gemacht wie es wäre einige Wochen länger auf der Insel zu bleiben…Wäre es gefährlich? Wie gefährlich wäre es? Wäre es vielleicht sogar cool für den Film?

Mir war dann schnell klar, dass das ein wichtiger Teil des Filmes sein würde und habe mich voll auf die filmische Umsetzung konzentriert und die Organisation dem Rest des Teams überlassen. Habe mich also quasi „ausgeklinkt“. Aber vorher musste ich das ganze Equipment wieder auspacken, dass für die Heimreise schon wieder „reisefest“ in den Koffern verstaut war…

Die Entscheidung der Schiffscrew hatte also im Endeffekt auch irgendwie etwas gutes – abgesehen natürlich von den enormen Kosten, die mit der Helikopterbergung verbunden waren: Wir hatten ein weiteres dramaturgisches Highlight für das Ende des Films, mit dem so wahrscheinlich niemand unter den Zuschauern rechnen würde…und der Blick zurück aus dem Heli, auf die Insel, die uns in den 18 Tagen zuvor so viel abverlangt und doch auch so viel gegeben hat, war ein würdiger Abschluss unsers Abenteuers!

Cheers, Simon

P.S. Kurz nach der Ausstrahlung auf ServusTV erreichte uns eine Email eines Zuschauers, der Ende der 90er Jahre selbst auf Onekotan gewesen ist. Folgender Ausschnitt hat uns auch knapp 10 Monate nach unserem Aufenthalt noch ordentlich zusammenzucken lassen…
„[…] Ihr hattet Glück, euer Camp in der Mussel-Bucht stand auf diversen Granaten, von denen wir 1998 etliche TNT-Plättchen als Brandbeschleuniger für zu nasses Brennholz eingesetzt haben! […]“

Puh…

Making of